Verhaltensregeln in Kalifornien – San Francisco

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download (2)Die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In mancher Hinsicht sind sie aber auch das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Die Einwanderernation ist sehr stolz auf ihre größtenteils europäische Abstammung und ein sehr großer Teil der Amerikaner hat deutsche Vorfahren.

Das heißt jedoch nicht, dass wir Europäer uns in jeder Hinsicht mühelos bei unseren amerikanischen Vettern zurechtfinden. Natürlich sind die Amerikaner eigentlich immer freundlich und „relaxed“. Doch es gibt durchaus gewisse Verhaltensregeln und Einstellungen in den USA, die uns ziemlich fremd und eigenwillig erscheinen.

Abendtermine

Schlagen Sie keine Geschäftstermine am Abend vor. Amerikaner haben zwar kein Problem damit, lange zu arbeiten, doch danach möchten sie schnell nach Hause zur Familie. Abendtermine laufen eher informell mit den Partnern ab.

Alkohol

Halten Sie sich — auch abends — beim Alkoholkonsum zurück. Zum Lunch ist Alkohol sogar nahezu komplett verpönt. Trinken Sie stattdessen Eistee.

Alkohol darf ausserdem nie in der Öffentlichkeit getrunken werden. In den Schnapsläden wird er in eine „brown bag“ gepackt. Schon das Tragen einer nicht eingepackten Flasche oder Dose kann eine Geldstrafe mit sich führen. Ausnahmen sind manche Festivals oder Straßenparties, aber wundern Sie sich nicht, wenn sie ständig nach Ihrem Ausweis gefragt werden.

Anrede

Reden Sie Frauen nicht mit „Miss“ an! Das klingt für die meisten so albern wie für uns das „Fräulein“. Meist stellen sich Amerikaner mit ihrem Vornamen vor. Dann sollte man sie auch so ansprechen. Ansonsten mit „Sir“ oder „Mam“.

Beachstyling

Bitte keine deutschen Badehosen! Wagen Sie es ja nicht an irgendeinem Strand in Kalifornien mit einer typisch deutschen Macho-superengen-Leoparden- Badehose aufzukreuzen, denn egal, wie viel Zeit Sie vor dem Abflug und seither im Fitness-Studio verbracht haben, Sie werden entweder als hässlicher schwuler Deutscher katalogisiert und mehr oder weniger geteert und gefedert aus der Stadt vertrieben (von San Francisco bis San Diego) oder stillschweigend verhaftet und auf die FBI-Liste der kriminellen Triebtäter gesetzt (von San Francisco bis zur kanadischen Grenze). Viel Glück beim nächsten Einreiseversuch!

Begrüßen

Auf das obligatorische „How are you?“ nie mit Elogien über die eigene Befindlichkeiten antworten. „I’m fine, thank you” reicht. Der Händedruck ist fest, aber kurz. Wichtig sind Komplimente — etwa über den Blick aus dem Konferenzraum, die Vorbereitung des Meetings, die Stadt, das nette Hotel. Und jammern Sie nicht über Deutschland! Seien sie positiv, das kommt besser an.

Danken

Bedanken Sie sich ständig! Bei den Teilnehmern des Meetings für ihr Kommen, ihre Zeit, ihr Engagement. Beim Assistenten, beim Lieferanten. Stellen Sie Teilnehmer einer kleineren Besprechung einzeln vor und teilen Sie den anderen kurz mit, welchen Beitrag jede Person geleistet hat oder leisten wird.

Dresscode

In vielen Branchen — mit Ausnahme der Finanzszene an der Ostküste — geht es tagsüber wenig formal zu. Oft reicht eine Kombination, sogar ohne Schlips. Im Zweifel aber gilt: lieber zu formal als zu lässig, abrüsten geht später immer noch. Für Frauen gilt allerdings überall: nicht zu viel Haut zeigen. Die eher prüden Amerikaner rümpfen darüber die Nase.

Eigenarten

Sollten Sie mit einem Amerikaner am Tisch sitzen, und der greift plötzlich mit der rechten Hand seinen Schädel über dem linken Ohr und biegt ihn nach rechts, bis sein Genick ein haarsträubendes krachendes Geräusch von sich gibt und wiederholt dann die selbe Prozedur seitenverkehrt, mit dem selben lautstarken, Angst einjagenden Ergebnis…..keine Panik, kein selbstmörderischer Hannibal Lector.
Das nennt sich Genick entspannen hier.

Einladungen

Wenn Sie privat nach Hause eingeladen werden, bleiben Sie nicht länger als drei Stunden. Bringen Sie Blumen und eine gute Flasche deutschen Wein mit und referieren Sie kurz über das Anbaugebiet. Vergessen Sie keinesfalls die Dankeskarte am nächsten Tag.

Essen

Viele Amerikaner schneiden Fleisch oder Fisch erst in mundgerechte Portionen und essen dann mit der rechten Hand, während die linke im Schoß liegt. Unsere beidhändige Variante wird aber akzeptiert.

Kennen wir uns?

Lassen Sie sich von fremden Leuten anreden. Von Fremden mitten auf der Straße oder sonstwo angesprochen zu werden, ist hier nicht verdächtig, nicht bedrohlich und auch sonst in keinster Weise besorgniserregend, it’s all good! Smile, you’re in California!

Komplimente

Bitte nie Kommentare zum Aussehen einer Person – weder positive noch negative! Kleidung und Schuhe sind aber erlaubt. Alles andere wird oft als sexuelle Belästigung verstanden und hat schon manchen Job gekostet. Loben Sie lieber Leistung und Teamwork.

Konferenzen

Machen Sie auf Stehempfängen die Runde. Es ist normal, sich wildfremden Leuten vorzustellen und sich nach kurzem Augenkontakt zu einer Gruppe zu stellen, um diese in ein Gespräch zu verwickeln: Woher kommen Sie? Was machen Sie? Für wen arbeiten Sie? — Dieses „working the crowd“ gilt nicht als aufdringlich, sondern kontaktfreudig. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie ihr Gesprächspartner nach wenigen Minuten einfach stehen lässt. Auch er nutzt die Zeit zum Networking.

Kritik

Mit offener Kritik können Amerikaner schlecht umgehen. Selbst wenn die Ergebnisse unterdurchschnittlich sind: Geben Sie zu verstehen, dass der andere sein Bestes gab. Loben Sie kleine Fortschritte und versuchen Sie, kritische Anmerkungen positiv zu kleiden: „That was great, but next time we will even be better.“

Lächeln Sie!

Lächeln Sie zurück, denn Sie werden von vielen Menschen angelächelt werden während ihres Besuchs. Keine Bange, die meinen das alle ernst. Lächeln ist sehr wichtig und sehr weit verbreitet in einem Staat, in dem normalerweise beinahe 300 Tage im Jahr die Sonne scheint.

Offenheit

Öffnen Sie sich! Erzählen sie jedem, mit dem Sie in Kontakt kommen, dass sie ein Tourist aus Deutschland sind. Die Amerikaner lieben die Deutschen. Jeder siebte weiße Amerikaner kann und will deutsche Vorfahren hervorkramen.
Ich wette mit Ihnen, mindestens jeder Zweite wird kurz überlegen, vielleicht die Hand vor die Stirn halten, aber dann doch letztendlich mit einem halbwegs verständlichen Satz in holperigem Deutsch rüberkommen und mit einem breitem Grinsen nach Applaus verlangen.

Polizeikontrollen

Sollten Sie aus irgendeinem Grund von einem Gesetzeshüter im Auto angehalten werden, spielen sie keinesfalls den Helden. Halten sie brav und ohne Verzögerungen an, bleiben sie brav und ruhig im Auto sitzen und behalten sie die Hände auf dem Lenkrad, wo man sie sehen kann. Andererseits kann es leicht passieren, dass sie als unfreiwilliges Opfer eines Kugelhagels in den 5 o’clock-News Schlagzeilen machen – ich meine das Ernst.
Kein offener Alkohol im Auto, das ist ein absolutes no-go.
Sollte ein Gesetzeshüter bei einer Kontrolle einen Container mit egal welcher Menge Alkohol offen innerhalb der Fahrerkabine Ihres Autos finden, MUSS er Sie festnehmen und über Nacht wegsperren. So lautet das Gesetz, auch wenn Sie stocknüchtern sind und da gibts nichts zu rütteln. Vermeiden Sie diese Situation, wann immer möglich. Die „drunk tanks“ in amerikanischen Polizeistationen sind nicht sehr schön anzusehen und der Großteil Ihrer Kameraden für die Nacht wird mit Sicherheit Ihr Missfallen erregen.

Pünktlichkeit

Seien Sie pünktlich, auch wenn Amerikaner das laxer handhaben – in großen Städten gibt es nun mal Staus und Verspätungen. Aber erscheinen Sie, andererseits, nie zu früh! Das gilt als extrem unhöflich, vor allem bei privaten Einladungen.

Rauchen

Rauchen ist verpönt, verboten, illegal, nicht toleriert und prinzipiell nicht erlaubt, nicht in Kneipen, nicht in Bahnhöfen, allen anderen öffentlichen Gebäuden, Schulen (no way), Warenhäusern, Flughäfen, Häfen. Draußen darf noch geraucht werden, aber seien Sie auf indignierte Blicke gefasst.

Räuspern

Sollten sie sich räuspern müssen, ist es angebracht, sich während des Räusper-Akts mit der geballten Faust auf das Brustbein zu schlagen (der Daumen zeigt dabei in Richtung Brustbein).

Rülpsen

Rülpsen in der Öffentlichkeit ist toleriert, so lange Sie hinterher „well, excuse me/you“ sagen.

Schlange stehen

Stellen Sie sich in die Schlange. In die Schlange stellen gehört zum guten Ton, und jeder tut es, egal ob Bushaltestelle oder U-Bahn, und es schickt sich einfach aus gegenseitiger Rücksichtnahme und guter Erziehung. Vergessen sie nie das Wort Lynchjustiz wurde hier im Wilden Westen erfunden.

Small Talk

Niemals den US-Präsidenten kritisieren! Politische Themen sind tabu. Lassen Sie sich auch nicht von Fragen wie „Gibt Ihre Kanzlerin eine gute Figur ab?“ zu politischen Vorträgen provozieren. Die Antwort „Ich glaube, sie hat insgesamt ganz gute Presse“ reicht. Weitere Tabuthemen sind Religion, Rasse und Sex. Vorsicht bei Vorträgen über unseren Fußball (der in den USA Soccer heißt)! Das könnte als despektierliche Äußerung über „American Football“ missverstanden werden.

Sprachkenntnisse

Grämen Sie sich nicht, wenn Sie denken, Ihr Englisch wäre unzureichend. Sie sind dann in der gleichen Situation wie der Großteil der hier lebenden Bevölkerung und man ist hier sehr geduldig dem gegenüber.

Spucken

Auf den Boden spucken  ist ebenso toleriert (gute alte Wild West Zeit), außer in einigen Städten in der Bay Area, wie zum Beispiel in Burlingame ca. 30 Meilen südlich von S.F., wo ein Ticket auf Sie wartet, wenn Sie dabei erwischt werden.

Trinkgelder

Geben Sie Trinkgeld. Geben Sie reichlich, denn im Durchschnitt verdient der Bartender oder die Bedienung, die Ihnen Ihren Abend feucht-fröhlich erhält, ca. 50 Cents über dem gesetzlichen Mindestlohn und der ist wirklich erbärmlich. Da können nicht mal die Mexikaner davon leben. Die suchen Nebenjobs, die Trinkgeld bringen.
Geben Sie mindestens 15 % der Gesamtsumme, sollten sie 25 % oder mehr tippen (so nennt man das hier), können Sie damit rechnen, dass Ihnen der beschenkte Bartender beim nächsten oder übernächsten Besuch die ersten Drinks umsonst gibt und Sie darüber hinaus für den Rest ihres Aufenthaltes vor allem erdenklichen Übel in seiner/ihrer Kneipe oder Restaurant beschützen wird – garantiert.

Tischsitten

Lassen Sie bitte beim Essen das Messer neben dem Teller liegen und versuchen Sie, so viel wie möglich mit der Gabel zu zerteilen. Amerikaner werden offensichtlich leicht nervös, wenn Sie mit einer Person am Tisch sitzen, die ein Messer schwingt, zu welchem Zweck auch immer.

Verkehrsregeln

Sind Sie im vorübergehenden Besitz eines Mietwagens, versuchen Sie NIE, als Erster bei grün eine Ampel zu überqueren. Wenn Sie einen Truck neben sich haben, den man als Schild gegen einen möglichen Seitenaufprall nützen kann, umso besser, denn „running red lights“ scheint hier ein Volkssport zu sein. Also ganz langsam in die Kreuzung rein und nach links und rechts gucken.

Visitenkarten

Fast jeder Amerikaner hat einer und gibt sie gerne aus. Haben Sie auch eine, geben sie diese an den Amerikaner. Er wird sie vermutlich auf LinkedIn auf suchen und sich mit Ihnen verbinden wollen. Aber erwarten Sie nun nicht, dass sie nun beste Freunde sind.

Was guckst du?

Starren Sie nicht! Leute anstarren ist verpönt aus Gründen guter Erziehung hier in Kalifornien. Andererseits ist es aus genau denselben Gründen akzeptabel und weit verbreitet im asiatischen Teil der Bevölkerung, ein Umstand, der hier und da für rassistische Zusammenstöße verantwortlich ist: „What the F*** are you looking at ?“

 

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Kategorie: Fog City - Stadt des Nebels, Unbegrenzte Un-Möglichkeiten

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