The Byrds – Musik aus San Francisco

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The_Byrds_in_1965Anfang der 1960er Jahre fanden sich in Los Angeles einige junge und talentierte Folk- und Bluegrass-Musiker zusammen.

In den Clubs der näheren Umgebung hatte die Band erste Auftritte. Das Schallplattenlabel Columbia Records wurde auf die Nachwuchsmusiker aufmerksam und nahm sie im November 1964 unter Vertrag, in den zunächst nur McGuinn, Clark und Crosby einbezogen waren. Hillman und Clarke folgten ein halbes Jahr später. Zunächst wurde ein neuer Name gesucht. Man entschied sich für Birds (engl: Vögel oder auch junge Mädchen). Um Zweideutigkeiten zu vermeiden, ersetzte man das „i“ durch ein „y“ (in Anlehnung an das y in Bob Dylan).The_Byrds_Logo

Roger McGuinn („We were pioneers – with arrows in our backs.“) steht im Mittelpunkt dieser stürmischen Popformation. 1942 kommt er als James Joseph McGuinn III in Chicago zur Welt. Seinen Namen ändert er in Roger, nachdem ein indischer Guru ihm 1967 dazu rät. Er spielt mehrere Instrumente und macht einige Erfahrungen in verschiedenen Bands, vorwiegend in der Folk-Szene.

Weitere Byrds Mitglieder sind Gene Clark, der 1944 in Missouri das Licht der Welt erblickt. Bereits in der Kindheit verfolgt er die Country- und Bluegrass-Musik, später wechselt er zum Folk. Im Alter von 14 Jahren verkauft er seinen ersten Song. 1964 zieht er nach L.A. und trifft dort in einem Club auf McGuinn. Beide entdecken schnell ihre Vorliebe für die Beatles und gründen eine Band. Zunächst als Duo.

Später gesellt sich David Crosby dazu. In der Kindheit verhält er sich schon rebellisch und kommt früh mit dem Gesetz in Konflikt, aber die Folkmusik zieht ihn bald in die richtigen Bahnen. Mit Roger und Clark findet er die richtigen Freunde.

downloadManager und Produzent Jim Dickson gründet mit seinem Partner Eddie Tickner eine eigene Firma, Tickson Music, und kümmert sich um das talentierte Trio, das sich zunächst Jet Set nennt. Jetzt fehlt nur noch ein Schlagzeuger, den sie mit Michael Clarke finden, der schon als Kind auf alles herum trommelt, was ihm in den Weg kommt.

Um den Rhythmus perfekt zu machen, kommt Chris Hillmann dazu, der sonst ein begnadeter Mandolinenspieler ist, bei Jet Set aber den Bass bedienen soll, da Crosby nicht wirklich mit diesem Instrument zurecht kommt. (Jim Dickson: „Chris had a way of playing mandolin that was deferential to vocals.“)

Kalifornien trieb damals seine ersten Blüten bezüglich des später „Westcoast-Sound“ genannten Rockstils, binnen kurzem entwickelte sich aus diffusem Wirrwarr unzähliger Künstler eine riesige Szene – und die Byrds waren die ersten, die Vorreiter, die Initiatoren, wenn man einmal von den Beach Boys absieht, die schon vier Jahre vorher angefangen hatten und sowieso alles viel besser oder schlechter, auf jeden Fall aber anders gemacht haben.

In langwierigen Studiosessions, begleitet von langen Streitereien, entwickelte die Band allmählich einen charakteristischen Sound, der von der zwölfsaitigen Rickenbacker-360-Gitarre Roger McGuinns und einem dreistimmigen Harmoniegesang geprägt wurde. Gene Clark schrieb die meisten Songs, zum Teil gemeinsam mit McGuinn.

Ihren ersten großen Hit schrieb ein gewisser Robert Allen Zimmerman aus Minnesota (besser bekannt unter seinem Künstlernahmen Bob Dylan) und dabei haben sie sich anfangs sehr dagegen gewehrt und wollten diesen Song um nichts auf der Welt aufnehmen. Erst als Bob Dylan selbst, weil er von der Band gehört hatte und sich die Jungs einmal ansehen wollte, im Aufnahmestudio auftauchte, änderten sie ihre Meinung und landeten mit Mr. Tambourine Man ihren ersten Hit.

Nun kam das nächste Problem, denn das konservative CBS-Management wollte diese Platte nicht veröffentlichen. Nachdem wiederum Bob Dylan sich persönlich dafür einsetzte, kam die Platte mit dreimonatiger Verspätung auf den amerikanischen Markt. Es dauerte nur wenige Wochen und die Platte war Nr. 1 in den Billboard Charts.

Auch bei ihrem zweiten Hit konnte man sich zunächst nicht einig werden, nahm dann aber doch den Titel Turn! Turn! Turn! von Pete Seeger auf und auch mit ihm gelang es der Band in wenigen Wochen die Nr. 1 zu erreichen.

Der Folkrock tritt mehr in den Hintergrund, so wird bald der Mentor Bob Dylan ausgewechselt und ein Hauch von Indien rückt in ihre Musik; Sitar Klänge statt 12-Saiter. Der ewige Stress mit seinen Mitmusikern und die wachsende Flugangst beendet Gene Clarks Beziehung zu den Byrds. Anfang 1966 verlässt er die randalierenden Streithähne.

Mit „Fifth Dimension“ veröffentlichen sie im Juli 1966 ihr erstes psychedelisches Popalbum, als Inspiration gilt hier vor allem der regelmäßige Konsum von Cannabis und LSD. Die Hippie-Bewegung ist auf ihrem Höhepunkt angelangt, und in der Band kriselt es weiter. Vor allem Crosby und McGuinn bekriegen sich.

Der Zerfall innerhalb der Truppe zeichnet sich deutlich in der Zeit von 1966-1973 ab. Mehr als siebenmal verändert sich die Bandbesetzung, selten sind so viele verschiedene Alben einer Popband erschienen.

1967 steigt auch David Crosby aus und schließt sich der Folk-Rock Gruppe Buffalo Springfield an. Die Byrds entdecken nun lange Haare, Country und Nashville. McGuinn schließt sich einer bizarren indischen Religion an, die ihn beschwört, sich Roger statt Jim zu nennen. „So You Wanna Be A Rock & Roll Star“ schafft es nur knapp in die Top 20. Von da an wird an die gute alte Zeit angeknüpft und das Dylan Songbook erneut rausgekramt. Und wie schon am Anfang wird „My Back Pages“ ein Top-Erfolg. Als es The Byrds nicht mehr in der Urbesetzung gibt, erscheint 1968 mit „The Notorious Byrd Brothers“ ein Album, das heutzutage zu den besten Country Psychedelia-Veröffentlichungen überhaupt zählt.

1968 vereinen sich Gram Parsons und Roger McGuinn und entdecken ihre Leidenschaft zur Countrymusik. The Byrds leben weiter, auch live mit großen Erfolgen. Wechselnde Country-Musiker begleiten sie dabei. Doch das Glück währt nicht lange. Gram Parsons und nun auch Chris Hillman flüchten vor McGuinn, um fortan mit den Flying Burrito Brothers auf Konzertreisen zu gehen. Roger ist davon nicht sonderlich beeindruckt, hat er doch schon öfter einen Austausch innerhalb der Band erlebt.

Drogengetränkt zieht er sein Ding durch und findet schnell musikalische Ersatzkumpels. Für das Roadmovie „Easy Rider“ schreibt er mit einer Textvorlage von Bob Dylan den Song „Ballad Of Easy Rider“. Der Film gelangt 1968 zum Welterfolg. Wieder ein Volltreffer für die Byrds.

Die nachfolgenden Alben, wie „Byrdmaniax“ und „Farther Along“ von 1971 werden immer schwächer. 1973 löst McGuinn die Byrds erstmals auf, allerdings mit dem Hintergedanken, die 64er Original-Besetzung für eine Reunion ins Studio zu holen. Das Comeback mit Crosby, Hillman, Clark, Clarke und McGuinn verkauft sich gut, allerdings zerreißt die Presse weltweit die kümmerliche Zusammenfügung und schon bald widmen sich alle wieder anderen Projekten. 1990 treffen sich erneut McGuinn, David Crosby und Chris Hillman zu einer kurzlebigen Byrds-Reunion, die aber immerhin zu vier neuen Studioaufnahmen und einem Live-Tribute Konzert für Roy Orbison führt. Bob Dylan durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Ein Prozess um den Namen The Byrds zieht sich hin. Die zwei anderen Gründungsmitglieder, Gene Clark und Michael Clarke sollen nicht mehr als The Byrds auf Tour gehen dürfen. McGuinn, Crosby und Hillman verlieren allerdings vor Gericht, Michael Clarke beansprucht den Namen bis zu seinem Tod im Jahre 1992. Das letzte gemeinsame und einigermaßen friedliche Zusammentreffen der fünf Original-Vögel findet 1991 anlässlich der Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall Of Fame statt.

Eine bewegende Bandgeschichte. 2006 erleben wir die 60er Jahre noch einmal mit einer besonders schönen Sonderausgabe. „There Is A Season“ erzählt die musikalische Entwicklung der Byrds auf vier CDs mit insgesamt 99 Tracks. Zuzüglich einer DVD mit bisher unveröffentlichten TV-Auftritten aus den Jahren 1965-1967. Das beiliegende Heft dokumentiert mit zahlreichen Bildern und Kommentaren ausführlich die Geschichte der Band. Ein Muss für alle Fans und ein wunderbares Geschenk für die nachwachsende Fan-Generation. „Turn! Turn! Turn! – To Everything There Is A Season“.

The Byrds gehören neben Bob Dylan, den Beatles und Beach Boys zu den Pop-Pionieren zu Beginn der Rock’n’Roll-Ära. Noch heute inspiriert ihr Sound zahlreiche Musiker und berühmte Künstler.

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Kategorie: Alles aus San Francisco, Fog City - Stadt des Nebels

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