Amerikaner lieben ihre Schecks

Juli 29, 2014 | By | Antworte Mehr

imagesSie warten geduldig in der Schlange im Supermarkt. Die Person vor Ihnen öffnet ein kleines, rechteckiges Buch, schreibt etwas auf das oberste Papier, trennt es umständlich und übergibt es dem Kassierer. Nein, es ist keine neue-alte Art der Kommunikation, die Person ist nicht stumm, vielmehr hat sie soeben einen Scheck ausgestellt.

Ich selber kann mich an Schecks – Euroschecks – nur noch dunkel aus meiner Kindheit erinnern, wenn meiner Mutter manchmal mit einem bezahlt hat oder wir einen in unseren Urlauben einlösten. Anders als in Europa, wo der Scheck schon seit Ewigkeiten ausgedient hat und irgendwie schon sehr antiquiert anmutet, ist er in Amerika noch immer ein gängiges Bezahlmittel. Viele Amerikaner tragen noch immer ein Scheckbuch mit sich herum und lieben es mit der langsamsten Bezahlungsmethode der Welt  ihre Rechnungen zu begleichen.

Sie wundern sich jetzt vielleicht, warum in aller Welt Menschen im 21. Jahrhundert noch immer mit Schecks bezahlen, aber in Amerika ist es ein integrierter Part der Banksystems, das von einer der größten Ökonomien der Welt angetrieben wird.

Amerikaner haben eine große Angst davor, dass Ihre Bankdaten bekannt werden könnten. So weigert sich meine Vermieterin konstant etwas anderes anzunehmen, als meinen monatlich ausgestellten Scheck. Natürlich könnte ich ihr die Miete einfach überweisen – dafür müsste sie mir aber ihre Kontonummer geben. Und nun kommt die Verschwörungstheorie ins Spiel: Wenn ich in der Lage bin, ihr Geld zu SENDEN, bin ich auch in der Lage, Geld ABZUHEBEN – von ihrem Konto.

Und diese Paranoia ist so unverständlich! Mit jedem Scheck den ich ausstelle, gebe ich alle meine Bankdaten weg: Kontonummer und Bankleitzahl – es ist alles in den Nummern am Ende des Checks verborgen.

Als Ausländer in Amerika haben Sie sogar noch einen weiteren Nachteil: Sie haben keine Credithistroy. Eine Credithistory beschreibt, vereinfacht gesagt, wie regelmäßig Sie Ihre Kreditkarten genutzt und wieder abbezahlt haben. Das stellt den Neu-Amerikaner, der hier nicht aufgewachsen ist, vor beträchtliche Hürden. Es ist wahnsinnig schwierig, ohne bestehende Credithistory ein Konto zu eröffnen. Und ein Konto ist elementar wichtig: Ohne Konto gibt es keine Schecks. Ohne Schecks kann ich die Miete nicht zahlen. Ohne Konto kann ich mir keine Credithistory erarbeiten. Ohne Credithistory kann ich aber auch zumeist kein Konto eröffnen.

Machen wir es noch etwas komplizierter: In Deutschland ist die Kontonummer auf der Bankkarte abgedruckt. Auch in Amerika steht auf der Bankkarte eine Nummer – die aber nicht im Entferntesten etwas mit der eigentlichen Kontonummer zu tun hat. Ich habe immer einen „kaputten“ Scheck von mir dabei, wenn ich sie doch mal brauchen sollte. Des Weiteren habe ich gefühlte 20 Schecks ruiniert, indem ich sie einfach falsch ausgefüllt habe.

Ein weiteres Beispiel wäre der Paycheck. Auch Betriebe bezahlen ihre Mitarbeiter zumeist nicht mit einer simplen Überweisung, sondern per Paycheck. Sinnigerweise wird dieser noch zumeist per Post gesendet. Das führt unweigerlich zu Verzögerungen oder Verlust.

Inzwischen kann ich die Schecks die ich erhalte, mit Hilfe meines Telefons direkt zu meiner Bank schicken. Ich sehe das als ziemlichen Luxus an, musste ich zuvor mit jedem Scheck persönlich bei meiner Hausbank vorsprechen um ihn auf meinem Konto gutschreiben zu lassen.

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Kategorie: Unbegrenzte Un-Möglichkeiten

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